Ausflug Frauenstammtisches am 7. August 2018 in die PfalzFST_2018_1.jpg

"Hab' mein Wagen voll geladen, voll mit "schönen" Weibsen".
So könnte Dietmar die heutige Fahrt bezeichnen. 37 Damen vom Frauenstammtisch des OGVs haben sich für den Ausflug in die sonnige Pfalz angemeldet und sind auch pünktlich um 7 Uhr am Verwaltungs-gebäude. Laut Wettervorhersage soll es einer der heißesten Tage des Sommers werden, aber das trübt die Stimmung keinesfalls. Ersatzkleidung (Unterhose, Top und Sandalen) sind eingepackt. Das Thermometer zeigt 21 Grad, als Dietmar seine "Weibsen" begrüßt:
"Ich bin der Dietmar, aber mich kennen ja alle".
Es geht zuerst Richtung Stuttgarter Ei. Über das Tal an der Aichtalbrücke ziehen Nebelschwaden hinweg, denn gestern Abend hat es kurz geregnet. Weiter geht auf die A 8 in Richtung Karlsruhe.
Im Bus hat sich ein lebhafter Gesprächsbedarf entwickelt. Es gibt viel zu erzählen, man hat sich ja "soooo" lange nicht mehr gesehen. Nach einer Stunde Fahrt hat Dietmar einen geeigneten Platz mit Schatten für unsere Frühstückspause gefunden. Eifrig werden die Brezeln mit Butter beschmiert und die Sektflaschen geöffnet. Dabei sieht man auch diejenigen, die man beim Einsteigen noch nicht begrüßt hatte. Gesprächsstoff ist genügend vorhanden und ein Schlückchen Sekt belebt die müden Geister. Unschön sind überquellenden Müllbehälter an diesem Rastplatz.
Gegen 9 Uhr fahren wir weiter, Dietmar hat ein geräumiges Zeitfenster eingeplant. Von Karlsruhe sehen wir nur das Industriegebiet, denn wir biegen ab auf die Bundesstraße in Richtung Landau. Nur wenige Kilometer später haben wir unser erstes Ziel erreicht.
Der Ort Knöringen liegt im Landkreis Südliche Weinstraße und gehört zu Rheinland-Pfalz. Knöringen wird erstmals 775 im Lorscher Codex als Cnoringen urkundlich erwähnt. Die Ortsbezeichnung geht auf den Namen des Gründers Knoro zurück. Bis 1468 gehörte das halbe Dorf den Herren von Engpass. Mit einer Fläche von 280 ha, und 488 Einwohnern zählt Knöringen eher zu den kleineren Dörfern in der Region mit einer Kirche und einem Bahnhof.
Auf dem Weingut Amselhof an der Hauptstraße werden wir schon erwartet. Ein wunderschöner Innenhof und eine Scheue mit Weinprobier-stube sind für uns vorbereitet. Dort werden wir nach unserem Ausflug durch die Weinberge ein echtes Pfälzer Winzervesper bekommen.
Im Innenbereich als auch im Außenbereich finden bis zu 50 Personen Platz. Frau Natascha Hörner begrüßt uns herzlich und lädt uns zu einem Glas gekühltem Secco ein. Dabei erfahren wir etwas über die Familie und den hier produzierten Wein.
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Frau Hörner zeigt uns ein typisches Werkzeug, eine Hippe (auch Heppe, Häbe, Knipp, Säsle, Rebmesser oder Gertel). Es ist ein Werkzeug, das je nach Größe und Ausführung zu unterschiedlichen Arbeiten im Weinbau verwendet wird.
"Wein ist unser Leben" sagt sie.
Die Familie ist seit vier Generationen im Weinbau tätig. Natascha und ihr Mann, Axel Hörner, leiten das familiäre Weingut. Beide haben sich dem Weinbau beruflich verschrieben und sind ausgebildete Winzer (Dipl. Ing Weinbau und Oenologie). Seit 1993 ist der Sohn voll mit eingebunden. Er hat ebenfalls Weinbau studiert.
Beim Ausbau der alten Scheune zu einer großzügig angelegten Weinstube stellte sich heraus, dass das Gebäude bereits 400 Jahre alt ist. Auf einem eingemeißelten Wappen über dem Eingang der alten Scheune wurde das Baujahr 1739 sichtbar.
"Wein ist nicht nur unser Leben, sondern soll von den Besuchern erlebt werden, das haben wir uns zur Aufgabe gemacht." Ausgestatten mit einem Weinglas und reichlich Mineralwasser geht es los.
Wir begeben uns auf eine zweistündige Fahrt durch die herrlichen Weinberge, den umliegenden Dörfer wie Roschbach und Heinfeld, entlang dem Pfälzer Waldrand sowie auf einem Teilstück der 70 Kilometer langen "Südlichen Weinstraße".
Der Landkreis leitet seinen Namen von der ersten Touristenroute in Deutschland ab, der Deutschen Weinstraße, deren Südhälfte von Süd nach Nord durch den Landkreis führt. Dieser hat Anteil an der pfälzischen Rheinebene im Osten und am Pfälzerwald im Westen.
Größte Fließgewässer sind die Queich und – nahe der Grenze zu Frankreich – die Lauter, die am Oberlauf Wieslauter genannt wird. Das Gebiet des heutigen Kreises gehörte ab 1816 zu Bayern. Der Landkreis Landau-Bad Bergzabern entstand im Rahmen der Kreisreform am 7. Juni 1969. Zur Südlichen Weinstraße gehören die Orte Bad Bergzabern, Herxheim, Leinsweiler, Maikammer und Offenbach an der Queich. Am 1. Januar 1978 wurde der Landkreis in „Landkreis Südliche Weinstraße“ umbenannt.
Von weitem, auf der Höhe, ist das Hambacher Schloss zu sehen. Links und rechts Weinberge, die Rebstöcke hängen voll mit Trauben rot und weiß, soweit das Auge reicht. Am Straßenrand stehen unterschiedliche historische Arbeitsgeräte aus dem Weinbau und eine "Liebeslaube der 50iger". An einer Freiluftkelter gibt es den ersten Stopp. Als ersten Wein dürfen wir einen "Dornfelder Rotwein" probieren. Diese Rebsorte wird hier erst seit 1978 angebaut. Der Dornfelder ist eine frühreifende Rotweinsorte. August Herold erhielt sie 1955 als Neuzüchtung an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg durch Kreuzung der Sorten Helfensteiner und Heroldrebe. Benannt ist sie nach dem Kameralverwalter Immanuel Dornfeld, dem Gründer der Weinbauschule.
Als zweiten Wein wird ein halbtrockener Rosé von der Heroldsrebe ausgeschenkt. Die Heroldrebe ist eine etwas in Vergessenheit geratene Rotwein-Rebe, die sich hervorragend zu einem fruchtigen, vollmundigen und dennoch milden und leichten Rosé oder Weißherbst verarbeiten lässt. Sie eignet sich ideal als frischer Sommerwein.
Als drittes bekommen wir einen Weißwein der Sorte Blanc de Noirs (wörtlich: „Weißer aus schwarzen“). Es ist die französische Bezeichnung für einen aus Rotweinsorten gekelterten weißen Wein, Champagner oder Crémant. Es ist ein Spätburgunder Jahrgang 2017. In der Deutschschweiz wird Blanc de Noirs auch als Federweißer bezeichnet. Über etwas holprigen Wegen fahren wir weiter durch die grüne Landschaft. Der Fahrtwind bringt nur wenig Kühlung, dafür ist die Stimmung im Schoppenexpress sehr lebhaft.
Die zweite Haltestelle befindet sich an der kleinen Michaelis-Kapelle unter schattigen Bäumen.
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Zuerst probieren wir einen trockenen Grauburgunder von 2017 und hören aufmerksam zu. Während Frau Hörner erzählt, dass sie zusammen mit ihrem Mann seit 18 Jahren das Weingut Amselhof erfolgreich führen, freut sie sich sehr, dass eines der Kinder, ihr Sohn, in die Fußstapfen der Eltern und Großeltern eingetreten ist. Sie bewirtschaften 21 Hektar Weinberge, die Produktion wird allerdings aufgrund von Platzmangel außerhalb des Wohnhauses betrieben. Das gute und feuchte Wetter im Frühjahr sorgte für ein gutes Wachstum der Reben und der heiße Sommer für eine vielversprechende Traubenernte. Dadurch beginnt die Weinlese schon etwa Mitte August, bevor die Trockenheit die Trauben weiter schrumpfen lässt.
Zum Schluss gibt es noch einen Gewürztramier von 2016. Der Gewürztraminer, auch Roter Traminer oder Gelber Traminer genannt, ist eine Weißweinsorte mit gelb-rötlich gefärbten Beeren. Der säurearme Gewürztraminer reift bei eher niedrigen Erträgen mittelspät, erreicht hohe Mostgewicht und zeichnet sich durch intensive Aromen aus.
Er duftet nach gelben Früchten (Mirabelle) und hat eine leicht nussige Note.
Um 12 Uhr ist die Weinprobe beendet und wir fahren zurück zum Weingut nach Knöringen. Dort erwartet uns ein leckeres Winzervesper mit verschiedenen Wurstsorten, Quark, Handkäse mit Musik (Harzer in Kümmelsud) und zwei leichte Weißweine. Aber der Griff zur Sprudelflasche ist viel wichtiger, nach dem reichlichen Genuss der verschiedenen Weine draußen im Weinberg.
Nach einer Stunde ist jeder Papp satt und zufrieden und hat den Alkoholspiegel wieder etwas gesenkt. Einige nehmen ein paar Flaschen von diesen köstlichen Weinen mit nach Hause. Das Thermometer zeigt inzwischen 33 Grad an. Die Aircondition im Bus ist sehr angenehm.
Zuerst geht es Richtung Neustadt an der Weinstraße bis nach Edenkoben. Neustadt an der Weinstraße, bis 1936 und von 1945 bis 1950 Neustadt an der Haardt. Die Stadt in der Pfalz ist eines der Zentren des deutschen Weinbaus und veranstaltet jährlich das Deutsche Weinfest, bei dem in der Regel die Deutsche Weinkönigin gewählt wird.
Bekannt ist Neustadt außerdem durch das Hambacher Schloss, den Schauplatz des Hambacher Festes der deutschen Demokratiebewegung im Jahr 1832.
Unser nächster Ausflugspunkt ist die Rietburgbahn in Edenkoben. Auf die Rietburg führt seit 1954 ein Sessellift, die Rietburgbahn, deren Trasse auf der Ostseite des Berges - zur Rheinebene hin - verläuft.
Die Talstation befindet sich nahe beim Schloss Villa Ludwigshöhe. Ein Wunsch, den sich der bayrische König Ludwig I. mit Schloss Ludwigshöhe, erbaut nach den Plänen des Architekten Friedrich Wilhelm von Gärtner zwischen 1846 und 1852, verwirklicht hat. Die Sommerresidenz ist eine Villa im Pompejanischem Baustil "im mildesten Teil des Königreichs", ausgestattet mit Biedermeiermöbel und Mosaikfußboden.
Heute finden wechselnde Sonderausstellungen in der "Max-Slevogt-Galerie" statt.
Die Bergstation der Rietburgbahn liegt nur wenige Schritte von der Burgruine entfernt. Die Rietburg wurde um 1200 gebaut, danach war sie Reichsfeste und wechselnder Besitz derer von Riet, Ochsenstein, Leiningen, sowie Speyerer Bischöfe und Domkapitel. Leider wurde sie im 30jährigen Krieg zerstört. Von der Burg erhalten sind nur ein Teil der Schildmauer sowie Teile des Berings und des Zwingers.
Die Rietburg liegt in einer Höhe von 535 Metern an der Nordostflanke des 618 Meter hohen Blätterberges. Dieser gehört zur Haardt, die den Ostrand des Pfälzerwaldes bildet. Mit dem Sesselift ist die Auffahrt ein Vergnügen. Der Sessellift verfügt über 53 Doppelsessel, hat eine Länge von 560 Metern und überwindet einen Höhenunterschied von 220 Metern in acht Minuten. Der Bergfried und die mächtige Schildmauer sind heute noch gut erhalten. Das Hauptgebäude befand sich an der Stelle, an der heute die Höhengaststätte Rietburg an die Schildmauer angebaut ist. Auf den alten Grundmauern wurden die modernen Terrassen errichtet. Von der tiefer liegenden Vorburg sind die Ringmauern noch teilweise erhalten.
Die Rietburg kann man als einzige Pfälzer Burg mit einem Sessellift erreichen.
Von der Freiterrasse hat man einen weiten Blick über die Rheinebene.
Von hier aus lässt sich die gesamte Bergstraße vom Melibokus im Norden bis zum Königstuhl bei Heidelberg überschauen. Der Blick geht weiter zum Steinsberg bei Sinsheim als höchster Erhebung des Kraichgaus und bei guter Sicht zum Heuchelberg und Stromberg. Im Südosten erkennt man den Nordschwarzwald von der Badener Höhe über den Mehliskopf bis zur Hornisgrinde.
Einige streben sofort die Gaststätte an, anderen ist es zu warm und gehen nach einer kurzen Besichtigung wieder zum Lift.
Während der gemächlichen Talfahrt ist die tolle Aussicht noch schöner. Bei günstigen Sichtverhältnissen, wie heute, sieht man weit im Nordnordosten die Hochhäuser von Frankfurt (Westend Tower), im Osten den Katzenbuckel (direkt links neben dem Königstuhl) und im Südsüdosten den mittleren Schwarzwald bis in Höhe von Kenzingen, wo der Schwarzwald im Zuge der Freiburger Bucht nach Osten schwenkt.
Nachdem die meisten reichlich Zeit mit Kaffee trinken (oder anderes) entweder auf der Rietburg oder an der Talstation verbracht haben, können wir etwas früher als verabredet weiter fahren. Um 15.30 Uhr sind es immer noch 34 Grad.
Bedingt durch Umleitungen bei Rhodt gibt Dietmar "eine Runde" um den Kreisverkehr aus. Rhodt wird als Schatzkästlein des Pfälzer Landes bezeichnet. In dem Ort Hainfeld lese ich ein Schild mit der Aufschrift: "Residenz der Pfälzer Weinkönigin". Leider konnte ich den Namen nicht mehr erkennen.
Nach wenigen Kilometern streifen wir "St. Martin", das als das schönste Dorf der Deutschen Weinstraße gilt, Edenkoben als die weinfrohe Stadt und Maikammer als die goldene Weinkammer. Unsere Fahrt geht weiter über Edesheim Richtung Landau und dann auf die A 65 Richtung Karlsruhe. Nach dem überqueren der Rheinbrücke befinden wir uns wieder in Baden-Württemberg. Bei der Abzweigung auf die A 8 Richtung Stuttgart herrschte starker Verkehr. Nach einer guten Stunde verlassen wir die Autobahn und versuchen unser Glück auf der Bundesstraße durch das Enztal über Bad Liebenzell. Bei Hirsau kostet uns wieder eine Umleitung viel Zeit. Trotzdem kommen wir ca. eine Stunde als geplant an unserem letzten Ziel in Calw-Holzbronn an. Das "Krabba-Nest" eigentlich Ruhetag, öffnet aber für uns ihre Türen. Nach dem reichlichen Weingenuss des Tages freuen sich die meisten auf ein frisches kühles Bier oder Radler. Die Bestellung geht zügig und auf das Essen müssen wir auch nicht lange warten. Als wir um 20 Uhr unsere Heimreise antreten, hat es bereits auf 20 Grad abgekühlt. Doris bedankt sich im Namen aller Teilnehmer bei Sigrid für die Organisation, bei Ingrid für den erfrischenden Sekt und bei Klara für die Flachswickel. Wir haben inzwischen Herrenberg links liegen gelassen, Ammerbuch, Entringen, Unterjessingen und Tübingen gestreift und kommen über Altenburg und Kirchentellinsfurt nach Hause. Es war ein wunderschöner, wenn auch heißer, Tag.
Ingeborg Schauer