Lehrfahrt Aichach - Mai 2009

Obst und Gartenbauverein Kirchentellinsfurt 1928 e.V.

 Erste Lehrfahrt

nach Aichach zu

Champignons und Spargel

am Samstag, 2. Mai 2009

 


Der erste Spargelstecher

 

 

Samstag, 2. Mai 2009

 

"Der Mai ist gekommen, der OGV fährt aus".

 

Zur ersten Lehrfahrt trafen sich 62 Mitglieder um 7 Uhr früh am Verwaltungsgebäude. Unser heutiges Ziel soll ein Spargel-Anbaugebiet sein. Aber anstatt in das bekannte Gebiet nach Schwetzingen zu fahren, schlägt Dietmar vor, ein Anbaugebiet in Bayern zu besuchen. Deshalb geht die Fahrt nun in Richtung Süden. Nebel liegt über dem Neckartal, aber die Sonne kämpft sich langsam durch und verspricht uns einen schönen Tag. Bei Nürtingen geht es auf die Autobahn in Richtung München.

 

Währenddessen begrüßt Walter die Teilnehmer und gibt das Tagesprogramm bekannt. Im Reisepreis von 40 Euro (p.P.) ist ein Vesper und ein dreigängiges Spargelmenü zu Mittag sowie zwei Führungen enthalten. Für die Vorbestellung des Abendessens wird eine Liste herumgereicht.

 

Nach dem <Lämmerbuckeltunnel> erreichen wir bald die Wasserscheide auf der Schwäbischen Alb. Auf einer Höhe von 785 Metern Höhe treffen sich Donau und Rhein. Bei Dornstadt weist Walter auf eine Putenfarm mit einem 98 Meter langen dreiteiligen Stall hin, in denen die Tieren gemäß ihrem Alter getrennt gehalten werden. Kurz vor Ulm-West scheint aus der diesigen Ferne ein großer Turm durch. Es ist die berühmte Schapfenmühle.

 

Die Schapfenmühle ist eine Getreidemühle bei Jungingen, einem nördlichen Stadtteil von Ulm am südöstlichen Rand der Schwäbischen Alb. Sie wurde 1452 erstmals urkundlich erwähnt und damit ist sie das älteste noch produzierende Unternehmen der Stadt Ulm. Das Getreidesilo der Schapfenmühle wurde von Juni 2004 bis Januar 2005 erbaut und erreicht auf einer Grundfläche von 10,1×16,7 Metern eine Höhe von 116 Meter bis zur Gebäudeoberkante und knapp 125 Meter inklusive Antennenmast des Mobilfunkbetreibers.

 

Dietmar verkündet, dass wir nun Baden-Württemberg verlassen haben und uns jetzt auf Bayernland befinden. Die Grenze geht sogar mitten durch ein Haus. In der Grenzstube sitzen an einem Tisch einer in Baden-Württemberg und der andere in Bayern. An der Edenberger Raststätte gibt es den ersten Stopp  und eine Vesper.

 

Um 9.20 Uhr ist die Vereinsfamilie wieder vollzählig im Bus und weiter geht es. Die Fuggerstadt Augsburg lassen wir auf der rechten Seite liegen und fahren über die neue <Lechbrücke>.

Im Zuge des sechsspurigen Ausbaus der Autobahn wurde die bestehende Brücke abgerissen und durch zwei neue Brücken ersetzt.

 


Im Juli 2005 wurde die errichte Südbrücke über den Lech geschoben, wo sie bis zum Abriss der alten Lechbrücke und Neubau der Nordbrücke als Ausweichstrecke des Verkehrs dienen soll. Erst danach, geplant war hierfür der November 2006, sollte die Brücke in ihre endgültige Position nach Norden verschoben werden.

Während des Hochwassers im August 2005 kam es zu einem Rückschlag beim Bau. Das provisorische östliche Fundament wurde unter spült, die neue Brücke sackte einseitig ab und drohte in den Lech zu stürzen. Durch diesen Vorfall musste die A 8 im Abschnitt zwischen Augsburg-Ost und Augsburg-West über einen Tag lang total gesperrt werden. Das Fundament konnte zwar stabilisiert werden, jedoch dauerte es bis Dezember 2005, bis der Schaden repariert und die Brücke wieder angehoben war.

Bei Dasing verlassen wir die Autobahn und fahren entlang dem Flüsschen Paar bis nach Aichach. In dem kleinen Ort Pöttmes-Au hat sich Familie Schmaus angesiedelt und erfolgreich eine Champignon betreibt.  Durch Frau Auersberger erfahren wir bei einer Führung durch die Anlage etwas über die Aufzucht und Ernte der begehrten Pilze. Ursprünglich bestand hier ein Landschaftsbetrieb mit 120 ha Ackerland und Viehhaltung. Da der Senior, der alte Herr Schmaus nicht mehr so früh aufstehen wollte (oder konnte) um die Kühe zu melken, besann er sich auf die weniger anstrengendere Aufzucht von Pilzen oder "Schwammerln", wie man in  Bayern sagt.

 

Wir gehen zuerst zur Kompostieranlage. Der Nährboden der Pilze besteht aus natürlichen Rohstoffen - Pferdemist, Raps sowie Gips und Wasser. Diese Rohstoffe werden sorgfältig miteinander vermischt.

Es werden keine weiteren künstlichen Düngemittel zugesetzt. Die sorgfältige Auswahl der Rohstoffe sowie deren regelmäßige Laboruntersuchungen sind die beste Voraussetzung für die Erzeugung von hochwertigen, gesunden Pilzen.

Die Champignons (Agaricus), auch Egerlinge oder Angerlinge genannt, sind Pilze aus der Ordnung der Blätterpilze. Champignons sind hell gefärbt, der Stiel ist deutlich beringt. Die Lamellen sind je nach Reifegrad weißlich über rosig bis dunkelbraun, die Sporen purpur bis dunkelbraun gefärbt.

In einem natürlichen Kompostierungsprozess werden die Rohstoffe bei Temperaturen bis zu 80 C zum geeigneten Nährboden für die Pilze umgesetzt, dem sogenannten Substrat. Dieser Vorgang dauert insgesamt drei Wochen. Anschließend wird das Saatgut beigemischt und das Pilzmycel besiedelt den Nährboden. Nach dem Aufbringen einer Erdschicht dauert es noch 3 Wochen bis die ersten Pilze geerntet werden können.

Die Ernte dauert ebenfalls 3 Wochen, danach ist das Substrat verbraucht. Auf 10 000 qm Beetfläche wachsen die Pilze bei 18 C Lufttemperatur und 80 Prozent Luftfeuchte ganzjährig in vollklimatisierten Gebäuden. Das Know-how der Mitarbeiter, sowie die sorgfältige, manuelle Ernte sind wichtige Voraussetzungen für die Erzeugung einer gleich bleibenden, hochwertigen Qualität. Darum kümmern sich 80 Mitarbeiter Tag für Tag.

Sofort nach der Ernte werden die Pilze in einer sogenannten Schnellkühlung in nur 30 Minuten von 18 C auf 4 C abgekühlt. Dies hat einen entscheidenden Einfluss auf die Haltbarkeit und Frische der Pilze. Jeden Tag werden ca. 5000 kg, pro Woche 38 Tonnen, weiße Champignons geerntet. In Frischhaltezellen warten die Pilze bei 4 C höchstens 12 Stunden bis zu ihrer Auslieferung.

 

 
   


Champignonzucht Familie Schmaus

40 % werden in der Großmarkthalle in München verkauft, der Rest geht an Markthallen in Stuttgart und Nürnberg sowie an verschiedene Supermärkte wie Edeka und Netto und seit neuesten auch an Aldi. Ebenfalls werden Gasthäuser im Umkreis von 100 Kilometer mit Frischware beliefert.

Insgesamt werden 95 % als Frischware verkauft und das ist nur möglich, wenn die Ernte per Hand erfolgt. Dafür arbeiten 80 Personen 7 Tage in der Woche 6 bis 8 Stunde am Tag. Die meisten der Erntehelfer sich aus Rumänien oder Polen.

Bei einem kleinen Flirt mit eine Mitarbeiterin ( er weiß nicht ob Polin oder Rumänin) hat Dietmar erfahren, dass ein Erntehelfer 4 Körbe à 1,5 kg pro Stunde pflücken muss, dann verdient sie 8 € (pro Std.). Wenn da jemand fleißig ist kommt schon einiges zusammen.

 

Bei den Erklärungen in den Champignonräumen wird mit dem Vorurteil, man dürfe Champignon nicht waschen oder wieder Aufwärmen, aufgeräumt. Man  kann die Champignon ohne weiteres waschen und sie können auch nach der Zubereitung einmalig aufgewärmt werden. Was man nicht machen sollte, ist die Haut abziehen. Also nur waschen, schneiden und einfrieren oder gleich zubereiten.

Im Hofladen dürfen wir eingelegte Champignon versuchen und auch frische kaufen. Bevor wir weiterfahren, entdecke ich eine kleine Gedenktafel am Haus mit der Inschrift:

 

"Scheune abgebrannt am 14. März 1933

wieder aufgebaut von Paul und Maria Schmaus.

An Gottes Segen ist alles gelegen"

 

Um 11.30 Uhr verlassen wir diesen Betrieb und lassen die gewonnenen Erkenntnisse auf uns wirken. Das war ein interessanter Einblick auf ein Produkt, das man oft gedankenlos im Supermarkt einkauft, ohne zu wissen, woher es kommt und wie viel Arbeit dahinter steckt, man wundert sich nur über den entsprechend hohen Preis.

 

Gemütlich lenkt Dietmar den langen Bus durch die schmalen Baumalleen und die engen Ortschaften Immendorf, Handzell, Gundelsdorf bis nach Aichach. Schon unter Napoléon wurden die Baumalleen angelegt. Man sagt, er habe dies für seine Soldaten gemacht, damit diese im Schatten marschieren können.

Uns erwartet nun das Mittagessen im Gasthof Gutman in Ecknach, einem Vorort von Aichach. Zuerst gibt es eine Spargelcremesuppe, dann Spargel mit Sauce Hollandaise, Kartoffeln, Schinken und ein paniertes Schnitzel. Zum Nachtisch Vanilleeis mit frischen Erdbeeren.

Selten habe ich so gut gegessen wie hier und heute. Beim Rundblick über die Tische waren nur zufriedene Gesichter erkennbar.

 

An der Täfelung  an der Decke entdecke ich weise Verse:

 

Gemütlichkeit wird da gefunden,

wo Bier, Durst und Humor verbunden.

 

Wenn dich eine Sorge drückt,

trink und sei fröhlich.

 

Mancher der nur Trübsal blies,

trank am Bier sich selig.

 

Zum Schluss ließ es sich der Wirt nicht nehmen (der kennt uns bzw. Dietmar schon), auf dem Akkordeon ein paar Lieder zum Mitsingen zu spielen. Augenblicklich steigt die Stimmung und alle singen mit. Für die Lachmuskeln ist auch gesorgt:

 

<Sagt der Mann zu seiner Frau: „Du wirst dich noch umschauen, wenn ich einmal gestorben bin“. Darauf antwortet seine Frau: „Stirb erst einmal, umgeschaut habe ich mich schon“>.

 

Der Blick nach draußen verheißt nichts gutes, es hat geregnet. Doch als wir das gemütliche Lokal verlassen, scheint schon wieder die Sonne. Nun steigt Herr Neumeier zu uns in den Bus. Er macht uns während einer Stadtrundfahrt durch Aichach mit der Geschichte der Stadt bekannt. Er ist Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr und vom Schachclub. Die Geschichte der Stadt zu erzählen, hat er zu seinem Hobby gemacht.

Wir fahren die Hauptstraße entlang bis zum Gelände der JVA. Sie wird im Volksmund als die "längste Straße" genannt. Man sagt, hier sei vor 20 Jahren eine Frau hinaus gegangen und nicht wieder gekommen. So hat Aichach - ohne es zu wollen - eine traurige Berühmtheit erlangt.

 

<Die Haftanstalt für weibliche Strafgefangene hat eine Belegungsfähigkeit von derzeit 433 Haftplätzen im Regelvollzug und sechs Haftplätzen im offenen Vollzug; für männliche Strafgefangene stehen 124 Haftplätze zur Verfügung. Die Anstalt hat eine besondere Krankenabteilung für Frauen, die auch für die Gesundheitsfürsorge anderer Justizvollzugsanstalten dient. Ferner gibt es dort eine Mutter-Kind-Abteilung mit 10 Haftplätzen.>

 

Zur Zeit befinden sich 700 Gefangene in der JVA Aichach, davon 200 Männer.

Vera Brühne, Ingrid van Bergen und Brigitte Mohnhaupt waren wohl die bekanntesten Insassen des Aichacher Frauengefängnisses.

Brigitte Mohnhaupt, eine deutsche Terroristin der RAF, verbüßte hier bis zum 25. März 2007 den Rest ihrer 24-jährigen Haftstrafe und wurde danach auf Bewährung freigelassen. Sie durfte während ihrer Haft sogar ein Katze bei sich haben. Man hat extra ein Laufgitter gebaut, wo die Katze rein und raus laufen konnte.

Vera Brühne: Sie erlangte deutschlandweite Bekanntheit, als sie gemeinsam mit ihrem Bekannten Johann Ferbach am 25. April 1962 angeklagt wurde, den Münchner Arzt Otto Praun und dessen Geliebte ermordet zu haben.

Ingrid van Bergen: Deutsche Schauspielerin, die im Affekt ihren Lebensgefährten erschoss.

Gabriele Gast war eine Spionin (1994 entlassen).

Ilse Müller, die ihren Mann, der bei der Bundeswehr diente, eine mit Zyankali versetzte Bierflasche geschickt hat. Leider hat sie nicht ihr Mann, sondern dessen Freund bekommen.

Ilse Koch hat sich am 2. September 1967 in ihrer Zelle erhängt. Sie war die Kommandeurin im KZ-Buchenwald und man sagt, sie habe aus Menschenhaut Lampenschirme gemacht. In der Haftanstalt brachte sie ein Kind zu Welt.

Dabei kann Aichach auf eine bald tausendjährige Geschichte zurückblicken.

Wir fahren am Feuerwehrhaus und dem alten Friedhof vorbei in die historische Altstadt mit dem alten ehrwürdigen Rathaus und der teilweise erhaltener Stadtmauer und den beiden Stadttoren, das Obere und das Untere Stadttor. Die preisgekrönte Altstadt ist ein Zeugnis bayrischer Geschichte, während zwei Schlösser das Leben der Wittelsbacher dokumentieren, darunter ein Wasserschloss, in dem die Kaiserin Sisi ihre Kindheit verbrachte.

In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts (vor 1078) wurde die Kirche von Aichach erstmals in einer chronikalischen Notiz des Klosters St. Ulrich und Afra in Augsburg genannt. 1250 wurde erstmals ein Komtur als Leiter eines Hauses des Deutschen Ordens in Aichach genannt.

Aichach war bis 1384 der Sitz einer Deutschordenskommende, die später nach Blumenthal umzog und bis 1806 bestand.

1347 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer „unser Statt Aychach" das Stadtrecht,  damit "unser Statt due die Burger ze Munichen habent“.

 

 
   


Altstadt mit dem Oberen Tor


Das Untere Tor

 

Die Tour geht vorbei Am Büchel, der Botengasse, der Bauerntanzgasse, der Steubenstraße zum Danhauserplatz und Schlossplatz. In einem schönen Gebäude ist das "Königlich Bayerische Amtsgericht" untergebracht. Es gibt es tatsächlich heute noch. In der Schneidergasse und der Fleischergasse haben sich die Handwerker angesiedelt. Bis nach dem Krieg war die Fleischwarenfabrik Haselberger hier. Am Flussufer der Paar waren die Gerber zu Hause, weil sie Wasser für ihre Arbeit brauchten. Das obere Tor wurde früher das "Augsburger Tor" genannt. Wir halten kurz an beim Unteren Tor, das früher "Regensburger Tor" hieß.

 

Das Untere Tor wurde im Spanischen Erbfolgekrieg dem Erdboden gleichgemacht. Es war bis auf die Grundmauern abgebrannt. Die Stadt Aichach hat es mit eigenen Leuten wieder aufgebaut. Bei der Fertigstellung hatte man bemerkt, dass es nie genehmigt wurde und so gilt es bis heute als "Ungenehmigter Schwarzbau".

Darunter steht der Schriftzug <Johann von Werth>.

Johann von Werth war einer der bekanntesten deutschen Reitergenerale aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, galt als einer der "meistporträtierten Heerführer seiner Zeit". Diesem populären Hausdegen gelang es, sich vom einfachen westfälischen Bauernsohn, der weder schreiben noch lesen konnte, bis zum Feldmarschall-Leutnant hoch zuarbeiten und eine ganze Armee zu befehligen.  Als Werth im Jahre 1652 starb, war er reich und Reichsgraf .

 

Wir fahren raus aus der Altstadt ein paar Kilometer weiter auf der ehemaligen Römerstraße bis nach Unterwittelsbach. Dort steht das alte Wasserschloss der Wittelsbacher.


Wasserschloss der Wittelsbacher - Eltern von Kaiserin Sissi

 

Die erste geschichtliche Erwähnung des Wasserschlosses datiert auf das Jahr 1126. Zu dieser Zeit stand aber noch eine andere Burg an diesem Platz. Bis 1500 war es im Besitz der Grafen von Sandizell, dann ging es in den Besitz der Herren von Burgau über. 1533 erwarb das Kloster St. Ullrich und Afra in Augsburg den Besitz, 1537 zogen Benediktinermönche dort ein und ließen das Schloss zur heutigen Gestalt umbauen. 1777 kaufte es der Landesbischof von Reindl. Dieser verkaufte es aber bereits 1781 wieder an Kurfürst Karl Theodor. Dessen Familie versteigerte es im Jahre 1811 an einen Arnold von Link, der es dann schließlich im Jahre 1838 an Herzog Max in Bayern verkaufte, der es als Sommersitz und Jagdschloss und zur Erholung nutze. Der Herzog nannte das Schloss "seine Burg", weil es abseits des Trubels der bayrischen Staatsgeschäfte lag, und er sich dort erholen und auf die Jagd gehen konnte. Bekanntheit erlangte das Schloss dadurch, dass eine der Töchter des Herzogs, die spätere Kaiserin, Elisabeth von Österreich und Königin von Ungarn war, die sich durch die Sissi-Filme einer internationalen Beliebtheit erfreute.

Ob sich das Leben der Sissi wirklich so abgespielt hat wie in den Filmen dargestellt, wird von Historikern stark bezweifelt. Schön sind die zu Tränen rührenden Filme aber allemal, die meistens zu Weihnachten im Fernsehen gezeigt werden.

Von 1977 bis 1999 diente das Schloss als Heim zur Erziehungshilfe für schwer erziehbare Jugendliche. 1999 erwarb es die Stadt Aichach und machte es nach einer Restaurierung wieder der Öffentlichkeit zugänglich; nun beherbergt es ein Sisi-Museum, das alljährlich eine Sonderausstellung zeigt.

 

Danach geht es weiter in das Spargelgebiet in der Nähe von  Schrobenhausen. In Oberbernbach liegt das Anbaugebiet Froschheim von der Firma Froschinger. timbaland say something (feat. drake) Hier verlässt uns Herr Neumeier und übergibt uns an Herrn Kügle, der uns schon zu einer Spargelführung erwartet. Wir werden in zwei Gruppen eingeteilt, die einen können den Spargel kaufen und die anderen Stechen, sagt Herr Kügle zur Begrüßung.

 

”Königliches Gemüse”, “Frühlingsluft in Stangen”, “Essbares Elfenbein” - so vielfältig die Vergleiche, so groß ist auch die Faszination, die Spargel immer wieder und durch die Jahrhunderte auf viele Feinschmecker aus allen Erdteilen ausübt.

 

Die Römer haben Spargel wohl erstmals kultiviert. Da der Landbau eine größere Rolle als bei den Griechen spielte, waren die Römer natürlich auch sehr viel stärker an gartenbaulichen und landwirtschaftlichen Verfahren interessiert.

Von den Römern sind ausführliche Kulturanleitungen überliefert, die aber zum Teil wesentlich von dem heutigen Anbauverfahren abweichen. Während der Spargelanbau als Gemüse in Frankreich und England zu Beginn des 16. Jahrhunderts schon weit verbreitet war, wurden in Deutschland erst um die Mitte dieses Jahrhunderts die ersten Spargelbeete im “Stuttgarter Lustgarten” angepflanzt.

 

Wir erfahren etwas über Anbau, Pflege und Ernte.

 

Spargelstangen sind eigentlich die Stengelsprossen der zur Familie der Liliengewächse gehörenden Spargelpflanzen. Es sind mehrjährigekrautige Pflanzen oder Halbsträucher. Sie haben sehr verzweigte, oft kletternde Stängel, sehr kleine, schuppenförmige, fleischige bis häutige Blätter und in den Achseln derselben mit Büscheln kleiner, meist nadelartiger, steriler, blattartiger Zweige (Phyllokladien), kleine, zwittrige oder diözischeBlüten auf gegliedertem Stiel und kugelige, häufig nur einsamige Beeren. Spargelpollenkörner können aber auch ganz ohne Befruchtung keimen. Der entstehende Embryo hat das gleiche Erbgut wie die Vaterpflanze und ist somit ein Klon derselben.

 


Asparagus officinalis,

Illustration in Otto Wilhelm Thomé Flora

von Deutschland, Österreich und der Schweiz.

 

Immer mehr Spargel wird auch hierzulande unter Folie angebaut, was unschön aussieht aber für den Anbau jedoch größere Vorteile bringt.

Das Feld kann sieben bis zehn Jahre genutzt werden, danach muss es stillgelegt werden. Spargel auf Spargel geht gar nicht gut. Pilzsporen verhindern für etliche Jahre, ein einmal genutztes Spargelfeld wieder für den Spargelanbau zu verwenden.

Das Spargelstechen ist nach wie vor mühsame Handarbeit, wobei meistens  polnischen Erntehelfer eingesetzt werden. Sie arbeiten während der Saison vom März bis Juni auf dem Feld und fahren dann mit einem guten Verdienst von bis zu 4.000 € wieder nach Hause.

 

 
   


Spargelstecher auf frischer Tat ertappt

Eine aufwändige Kühlung und eine sorgfältige Sortierung erhalten oder verbessern die Qualität der empfindlichen Stangen. Die Schalen werden maschinell entfernt. Die Spargelernte endet traditionell um den 24. Juni. Anschließend muss die Pflanze nachholen, was ihr bisher verwehrt wurde.

 


Spargelschäl-Maschine

 

 

 

 

Sprüche über den Spargel gibt es viele, hier nur einige:

 

Frei nach Wilhelm Busch :

“Spargel, Schinken und Koteletts, sind doch mitunter auch was Netts.”

 

Karl-Heinz Funke schrieb:

„Spargel behandelt man wie eine Frau: Vorsichtig am Kopf anfassen und feinfühlig nach unten streicheln."

 

Der Volksmund sagt: Wer Spargel isst, der sündigt nicht.”

 

Also Leute kauft, kauft Spargel, soviel ihr tragen könnt. Wir sind alle keine Sünder!!

Fast jeder von uns lässt sich diese Gelegenheit nicht entgehen und greift im Hofladen ordentlich zu.

 

Kurz vor 17 Uhr treten wir die Rückfahrt an. Walter freut sich über die gelungene Änderung des heutigen Ausflugs und bedankt sich, auch in unserem Namen, bei Dietmar mit einem kräftigen Applaus. Das entsprechende Trinkgeld wird nachgereicht.

 

Auf der Autobahn Augsburg - Ulm ist der Verkehr zwar flüssig aber es fängt kräftig zu regnen an. Wir fahren direkt in einen Gewitterregen. Dennoch sind wir glücklich, dass das Wetter bis jetzt gut gehalten hat. Bei Merklingen verlassen wir die Autobahn.

 

In Berghülle liegt der Gasthof Ochsen, wo wir das Abendessen einnehmen. Trotz der regen Unterhaltung müssen wir gegen 20.30 Uhr aufbrechen. Nach einer guten Stunde Fahrt über Urach und Metzingen erreichen wir wieder unseren schönen Heimatort.

 

Es war ein sehr gelungener Ausflug, wobei man einiges erfahren und dazu lernten konnte. Ein herzliches Dankeschön an Walter und Dietmar.

 

Kirchentellinsfurt, 3. Mai 2009

 

Ingeborg Schauer