Obstbau für Einsteiger

Eine zweitägige Veranstaltung des Obst- und Gartenbauvereins Kirchentellinsfurt - Februar 2013

Die Veranstaltung verfolgte das Ziel den Besitzern von kleinen oder großen Gärten die Auswahl, Pflanzung und Pflege von Obstgehölzen und Beerensträuchern auf einfache, leicht verständliche Form näher zu bringen. Der theoretische und praktische Teil der Veranstaltung wurde Jakob Hoffmann geleitet.

Der Einstieg erfolgte über die Grundlagen der Standortbedingungen für die verschiedenen Planzarten wie: Apfel-, Birnenbäume und Beerenobst. Feuchte und nasse Umgebungsbedingungen sind für Apfel und Birne nicht geeignet – diese Pflanzen möchten keine nassen Füße. Bei der Pflanzung sollten folgende Pflanzabstände berücksichtigt werden: Hochstamm min. 8 bis 10 m, Halbstamm ca. 6 bis 8 m, Buschbaum ca. 3 m, Spindel ca. 1,5 m und die Säule ca. 1 m. Ähnlich verhält es sich beim Beerenobst: Rote Johannisbeere min. 1,5 m, Jostabeere 2 bis 2,5 m, Himbeere ca. drei Pflanzen pro Meter und die Brombeere min. 2,5 bis 3 m. Im Anschluss daran erläuterte Jakob Hoffmann den Aufbau des Baumes.

Der Aufbau des Baumes gliedert sich in die Bereiche: Wurzel, Stamm, Stammmitte, Leitäste und Äste mit geringerer Ordnung. Danach wurden die verschiedenen Wuchsstärken der Obstbäume beschrieben. Hier ist es besonders wichtig den zur Verfügung stehenden Platz und die Wuchsstärke des Baumes ins richtige Verhältnis zu bringen. Für den kleinen Garten sollte die schwach-wachsende Unterlage M9 gewählt werden, stehen größere Flächen zur Verfügung kann auf Buschbaum oder Halbstamm ausgewichen werden. Der Hochstamm wird im freien Land oder auf einem sehr großen Grundstück gepflanzt. Gepflanzt wird in einer vorher ausgehobenen Grube, ca. zwei bis drei Spaten breit und min. zwei Spaten tief. Der Bodenbereich wird aufgelockert, der Pfahl gesetzt, der Baum gepflanzt (Veredelungsstelle ca. 10 cm über dem Boden) und die krümelige Erde – ohne Düngung – wieder eingefüllt. Anschließend wird der Baum mit einem Abstand von ca. 5 – 8 cm am Pfahl angebunden. Danach wird die Erde leicht angedrückt und anschließend ausreichend gewässert.

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Als nächstes erfolgt der Pflanzschnitt.

Drei oder vier von der Stammmitte abgehende Äste (Leitäste) werden so nach oben oder unten gebunden, dass der Winkel zur Stammmitte ca. 45 Grad beträgt. Diese werden dann um ca. 1/3 zurückgeschnitten.

Die beste Pflanzzeit ist der Herbst, hier können die frisch gepflanzten Bäume und Sträucher noch Wurzeln bilden.

Beerenpflanzen werden überwiegend im Container angeboten. Das Pflanzloch ist etwas tiefer als die Containerhöhe ausheben, der Beerenstrauch wird ca. 5 cm tiefer eingepflanzt als das Bodenniveau. Auch hier wird, wie bei den Bäumen die lockere Erde (keine groben Klumpen) wieder eingefüllt, leicht angedrückt und gut gewässert. Sträucher können ohne Pfahl gepflanzt werden bei Beerenstämmchen ist der Pfahl (ca. 3 – 5 cm Durchmesser) Pflicht. Geerntet kann von einem Beerenstrauch ca. 15 bis 20 Jahre lang, bei einem Stämmchen hält der Ernteerfolg nur ca. 9 bis 12 Jahre lang an.

Tipps

  • Pflanzloch: keinen Kompost einfüllen, dieser greift die Saugwurzeln an,
  • Pflanzung auf dem freien Feld, hier empfiehlt es sich den Wurzelballen, wegen der Wühlmäuse, in einen Drahtkorb zu pflanzen,
  • Pflanzpfahl sollte unterhalb der ersten Astverzweigung aufhören,
  • Anbindestrick mit einem Nagel im Pfahl befestigen,
  • Jung gepflanzte Bäume bekommen eine Baumscheibe (oberflächlich das Gras entfernen) mit ca. 1 bis 1,5 m Durchmesser,
  • Pflanzenkauf: hier auf resistente und widerstandsfähige Sorten achten,
  • Schnitt: immer auf gute Belüftung und Sonneneinstrahlung achten,
  • Wachstumsgesetze: was angeschnitten wird – wächst, was in Ruhe gelassen wird – fruchtet,
  • Wasserschösslinge: nicht alle komplett wegschneiden, besser jeden zweiten oder dritten,
  • Rodung: bis zum 1.3 des Jahres können in Baden-Württemberg Bäume gerodet werden – näheres bei den Grünlandberatungen der Landratsämter.

Praktischer Teil

Nach theoretischen Grundlagen wurde am zweiten Tag die praktische Anwendung an einem seit längerem nicht mehr geschnittenen Halbstamm und verschiedenen Beerensträuchern im Versuchsgarten des OGV Kirchentellinsfurt demonstriert. Getreu dem Motto „will ich gutes Obst haben muss Licht, Luft und Sonne in den Baum“ wurden verschiedene Schnittmaßnahmen angewendet die nachfolgend in Bildern mit kurzen Erläuterungen dargestellt worden sind.

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Abb. 20130209-1:
Halbstamm, seit längerem nicht mehr geschnitten

 

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Abb. 20130209-2: Stammmitte und Höhe eindeutig festlegen

Der nächste Schritt ist die Stammmitte auf die gewünschte Höhe zurücknehmen und alles störende Geäste bis zum unteren Astkranz herausnehmen.

 

Schrittfolgen:

  • Höhe bestimmen, Stammmitte darauf einkürzen,
  • obersten Astkranz festlegen, der Abstand zum darunterliegenden Kranz sollte mindesten 1 m (besser mehr) betragen,
  • heraussägen, entfernen von quer stehenden Ästen (die Leiter soll in den Baum fallen können),
  • Dominanz der Leitäste herstellen, bei Vergabelungen für Eindeutigkeit sorgen,
  • senkrecht nach unten oder oben wachsende Äste herausnehmen.
Nach den deutlichen Auslichtungen und starken Schnittmaßnahmen sollte der Baum jetzt in Ruhe gelassen werden. Im nächsten Jahr kann die Feinarbeit durchgeführt werden.

 

In der nachfolgenden Abbildung sehen wir das jetzt wieder Licht und Sonne in das Bauminnere gelangen. Die Vitalität des Baumes nimmt zu. Im nächsten Jahr ist mit Neuaustrieb zu rechnen.

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Abb. 20130209-3: Auslichtungsschnitt an einem Halbstamm

 

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Abb. 20130209-4:
Schnittflächen ohne Wundbehandlung

Die Schnittflächen kommen bis zu dieser Größe ohne Wundbehandlung aus.

Beerenobst

Beim Beerenobst (Johannis-, Jostabeere) werden die Sträucher auf vier bis sechs Haupttriebe zurückgeschnitten. Altes Holz (schwarz aussehend) wird herausgenommen, junge (silbrig aussehend) wird stehen gelassen bzw. auf diesen zurückgeschnitten.

Der Jungtrieb wird dann noch über der letzten Knospe angeschnitten.

Bei der Himbeere werden die Tragruten im Spätherbst auf Bodenhöhe zurückgeschnitten. Ähnlich verhält es sich bei der Brombeere auch hier werden die Tragruten im Herbst entfernt. Sollten Sie bei Ihren Beeren diese Form der Triebbildung feststellen, so haben Läuse ihr Werk verrichtet (einfach abschneiden).

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Abb. 20130209: Läuse am Jungtrieb

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Abb. 20130209-5:
Jungtrieb Johannisbeerenstrauch in diesem Fall am Draht gezogen

Neben diesen und noch weiteren wertvollen Informationen von Jakob Hoffmann konnten die Einsteiger und Interessenten vieles an diesen beiden Tagen mitnehmen.

Dieser Betrag stellt nur einen Abriss der Informationen dar. Sofern Sie noch weitere Informationen benötigen oder Sie sich für unseren Verein interessieren, so schauen Sie doch mal vorbei.

Im Februar 2013

Uwe Jakubik